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Geschichte

"Die Sozialistischen Bildungsgemeinschaften haben indes nicht an Bedeutung verloren. Im Gegenteil, sie bilden in einer Zeit, in der die Massenmedien Informationen und Meinungen in Überfülle verbreiten, einen wichtigen Kristallisationspunkt. Hier kann der Einzelne seine Meinung entwickeln und in der Diskussion mit Anderen erproben."

Dies schrieb Heinz Kühn anlässlich des 25 jährigen Jubiläums der Sozialistischen Bildungsgemeinschaften im Jahre 1976. Diese Annahme hat aus heutiger Sicht nichts an Aktualität verloren. Die Aufgabe und der Bildungsauftrag der Sozialistischen Bildungsgemeinschaften ist vielschichtig und wichtig. Sie können auf eine lange und stolze mehr als 85-jährige Geschichte zurückblicken.

Zeittafel

1923 Gründung, Zentralausschuss (leider ist die Datenlage sehr gering)
1933 bis 1945 Verbot
1946 Als erster Bezirk gründete WW eine Parteischule, Leiter und erster hauptamtlicher Bildungssekretär des SBG, Josef Kappius.
1947 Wiedergründung, der Sozialistischen Bildungsgemeinschaft Köln.
Eine treibende Kraft war Heinz Kühn.
1951 Gründung der Sozialistischen Bildungsgemeinschaft NRW, Zentralausschuss, Satzung vom 25.1.1951.
Vorsitzender Josef Kappius (Dortmund),
Geschäftsführung Marianne Kühn (Köln),
Bildung der Zweigbüros: Köln, Dortmund und Bielefeld
1965 8.2.1965, Vorsitzender Werner Scheerer (Düsseldorf),
Horst Becker (Bonn) übernimmt die Geschäftsführung von Marianne Kühn
1971 17.7.1971, Vorsitzender Friedhelm Simelka (Bochum)
1974 Günter Wehrmeyer leitet das Zweigbüro Dortmund
1975 Inkrafttreten des WbG NW.
Anerkennung als Träger der politischen Bildung nach dem WBG
Es begann die Zeit der hauptamtlichen Struktur.
Anstellung von F. Irsfeld (Köln)
2.9.75, das Zweigbüro bleibt in Dortmund,
1.10.1975,Mietvertrag mit der Rundschau für 5 Jahre,
Büroleitung und HPM wird Christa Nickel
1976 25 Jahr Feier SBG NW
1977 Anstellung Hanno de Vries beim ZA für Büro Dortmund
1978 10.11.1978, Vorsitzender Reinhard Grätz (W)
4.5.1978 Gründung des regionalen Vereins SBG Westfalen,
Büro- und Operativgemeinschaft SBG Westfalen e.V. und Zweigbüro ZA
1982 20.2.1982, Vorsitzender Hans Peters (Dortmund)
1986 1.10.1986 Franz Irsfeld (Köln) löst Horst Becker (Bonn) als Landesgeschäftsführer ab.
De Vries (Münster)wird sein Stellvertreter.
6.12.1986 Satzungsänderung
1989 28.2.1989, Vorsitzender Hans Peters (Dortmund)
1992 21.11.1992 Satzungsänderung,
Umbenennung in "Heinz-Kühn-Bildungswerk".
Auch die SBG-Westfalen ändert ihren Namen.
1994 Hanno de Vries scheidet aus und geht in die Staatskanzelei Brandenburg.
1995 1.3.95 Norbert Geidies (Recklinghausen) wird Leiter des Büros Dortmund
1999 Im Mai verstirbt unerwartet Hans Peters.
Den Vorsitz übernimmt kommissarisch der Stellvertreter Horst Burghardt (Bonn).
2000 2.11.2000 Vorsitzender Peter Borggraefe (Recklinghausen)
2001 50 Jahre ZA NRW
55 Jahre "Gründung der Parteischule WW
2002 26.11.2002 Vorsitzender Peter Borggraefe (Recklinghausen)
2003 80 Jahre SBG
25 Jahre SBG Westfalen e.V.
2004  1.5.2004 Norbert Geidies (Recklinghausen) übernimmt die Landesgeschäftsführung.
Zwischen dem Heinz-Kühn-Bildungswerk und dem Willi-Eichler-Bildungswerk, Köln wird eine Kooperation nach WbG geschlossen.
2007 Das Büro Köln wird ab 1.1. nur noch ehrenamtlich geführt.
2008 Die Kooperation wird um die Akademie für politische Bildung und Information, Bonn erweitert.
2009 Die Bildungseinrichtung unterzieht sich dem Zertifizierungsverfahren nach Gütesiegelverbund.
2010 Nach Intervention der Bildungsvereine im Rheinland wird zum 1.1.2010 das Büro wieder mit einer hauptamtlichen Stelle besetzt.

     

Die Entstehungsgeschichte der SBG

Die Geschichte der Sozialistischen Bildungsgemeinschaften begann kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und ist eng mit dem Namen Heinz Kühn, dem ehemaligen Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein Westfalen, verbunden. Heinz Kühn ist Gründungsmitglied und wie er selbst sagte "Vater" dieser Einrichtung. Jedoch reichen die Anfänge weiter zurück, denn bereits in den 1920er Jahren existierte das Sozialistische Bildungswerk, dessen Vorbild wiederum die Arbeiterbildungsvereine des 19. Jahrhunderts waren, in denen der deutsche Arbeiter seine Bildung seinen Interessen entsprechend vertiefen konnte.
Wahrscheinlich war der Drang nach Wissen und Erkenntnis, nach Dialog, nach Kultur und Gemeinschaft die stärkste Antriebsfeder und der Motor zur Wiedergründung der Sozialistischen Bildungsgemeinschaft. Sicherlich bestimmte die wirtschaftliche Not den Alltag und die Ängste der Menschen dermaßen, dass für programmatische Diskussionen (vorerst) kaum Platz war. Aber Sinn, Aufgaben und Ziele des Sozialismus blieben nachhaltige Fragen, deren Beantwortung ausstand. Die Sozialdemokraten hatten, wie alle anderen Mitglieder deutscher Parteien auch, neben den schwierigen Alltagsbedingungen mit organisatorischen Problemen zu kämpfen. In der inhaltlichen Arbeit wurde vor allem politisches Wissen vermittelt, das die Belastungen durch den Nationalsozialismus zu überwinden suchte und demokratisches Bewusstsein erzeugen und stärken wollte.
Der Anfang bildete sich 1947 in Köln, dort entstand eine erste informelle Bildungsgemeinschaft. Bei diesen regelmäßigen Treffen referierte Heinz Kühn über die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und gründete Willi Eichler ein Forum für den Austausch über Grundsätze eines neuen Parteiprogramms. Schließlich wurde 1951 als Landeseinrichtung der Zentralausschuss der Sozialistischer Bildungsgemeinschaften e.V. u.a. von Alfred Nau, Jupp Kapius, Werner Scheerer, Willi Eichler und Heinz Kühn gegründet. Es folgten weitere Neugründungen im ganzen Land. Ebenso wie der erste regionale Verein als Sozialistische Bildungsgemeinschaft in Köln, legte auch der Zentralausschuss, gewissermaßen der Kopf der Einrichtung, von seiner Gründung bis hin zu seiner Anerkennung als Träger der politischen Bildung durch das Weiterbildungsgesetz von 1975 einen langen Weg zurück. Dieses Gesetz war in sofern wichtig, da von nun an nicht mehr nur ehrenamtliche Helfer, sondern auch Hauptberufliche für das Bildungswerk tätig wurden. Mit Franz Irsfeld arbeitete ab Januar 1976 erstmalig ein hauptamtlicher pädagogischer Mitarbeiter bei der SBG.

1978 wurde die SBG Westfalen gegründet, dies auf Anregung des ehemaligen Kultusministers Jürgen Girgensohn.
Erster Vorsitzender des Zentralausschusses wurde das Gründungsmitglied Heinz Kühn, ihm folgten Werner Scheerer, Friedhelm Simelka und Reinhard Grätz.

Als Hans Peters im Mai 1999 überraschend starb, übernahm übergangsweise Horst Burghardt die Leitung des ZA. Den heutigen Vorsitz hat Peter Borggraefe seit 2000 inne. Alle Vorsitzenden hatten exponierte Positionen; vom Stadtdirektor, wie Peter Borggraefe, dem Europaabgeordneten Hans Peters, über den Landtagsabgeordneten Simelka und den Ministerialrat Scheerer bis hin zum Ministerpräsidenten des Landes Nordrein Westfalen im Falle von Heinz Kühn.

Neben den schwierigen Anfangsbedingungen und dem erfolgreichen Aufstieg des Bildungswerkes Anfang der 1950er Jahre, war wohl der wichtigste Meilenstein in der Geschichte des Bildungswerkes das so genannte Weiterbildungsgesetz aus dem Jahr 1975. Der heutige Vorsitzende, Peter Borggraefe, war damals Mitarbeiter der SPD-Landtagsfraktion und maßgeblich an der Erarbeitung des Gesetztes beteiligt.

Hier wurde die Förderung politischer Bildungsarbeit juristisch fixiert. Einerseits war die Sicherstellung der rechtlichen Grundlage zu begrüßen, andererseits barg das Gesetz auch Risiken, denn von nun an konnten Parteien, Kirchen und Verbände nicht mehr in ihrem eigenen Namen Bildungsarbeit vermitteln, wenn sie öffentliche Mittel in Anspruch nehmen wollten. Die zu befürchtende Gefahr des Identitätsverlustes trat nicht ein. Aber die Bildungsgemeinschaft musste aus dem Schatten der Sozialdemokratischen Partei heraustreten und von nun an unabhängiger fungieren.

Noch in den ersten Jahren des Weiterbildungsgesetzes konnten sich die Bildungsträger zu beinahe 100 Prozent aus öffentlichen Mitteln finanzieren, heute hingegen belasten die gestiegenen Rahmenbedingungen die bildungspolitische Arbeit, was die Quantität beeinflusste; d.h. durch rückläufige, finanzielle Zuschüsse aus öffentlicher Hand müssen die Teilnehmer selbst einen immer höher werdenden finanziellen Beitrag leisten. Hinzu kamen gestiegene Kosten u.a. für die Buchung von Hotels als Tagungsorte und für die Honorierung der Referenten. In dem Maße wie der finanzielle Aufwand gestiegen war, erhöhte sich ebenso der Anspruch auf schriftliche Unterlagen und fachliche Kompetenz der Referenten.

Die Bildungsarbeit in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurde zeitweilig von 66 voneinander unabhängiger Bildungsgemeinschaften durchgeführt. Der Zentralausschuss unterhielt in den vier Landesteilen Niederrhein, Mittelrhein, Westliches Westfalen und Ostwestfalen/Lippe Zweigbüros. Heute ist die Zahl dieser Bildungsgemeinschaften gesunken und die verbliebenen Büros in Köln und Dortmund leisten den Hauptteil der Arbeit.

Das Heinz-Kühn-Bildungswerk ist - damals wie heute - eng mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten verbunden, genauso wie mit dessen Frau Marianne Kühn. Ohne diese beiden unermüdlichen Sozialdemokraten wäre der Erfolg der Bildungsgemeinschaft wohl undenkbar. Heinz Kühn war neben einigen Anderen der Sinnstifter und Kopf der Einrichtung.
Das veranlasste den Vorstand des Trägervereins 1992, nach dem Tod von Heinz Kühn, der Bildungseinrichtung den Namen "Heinz-Kühn-Bildungswerk" zu geben.
Unter Marianne Kühn, die nach der Gründung des "Zentralausschusses der Sozialistischen Bildungsgemeinschaften von Nordrhein-Westfalen" die Geschäftsführung inne hatte, konnte die Arbeit im ganzen Land ausgebaut und modernisiert werden. Nach 14 jähriger Tätigkeit gab sie die Geschäfte 1965 an Horst Becker weiter, dem 1986 Franz Irsfeld folgte. Nach seinem Ausscheiden 2004 übernahm Norbert Geidies die Geschäftsführung.

Heute steht die Sozialistische Bildungsgemeinschaft mit ihrem Hauptsitz in Dortmund vor Chancen und Risiken. Damals wie heute ist die Einstellung und Grundlage der Arbeit der Sozialistischen Bildungsgemeinschaft durch persönliche Initiative, ehrenamtliches Engagement und wissenschaftliche Fundiertheit geprägt. Es bleibt abzuwarten, wie die öffentlich geförderte Erwachsenbildung in Zeiten extensiver Kürzungen ihren Handlungsrahmen behaupten oder gar ausbauen kann.

Quelle: Geschichte der SBG, Sven Krajka, 2006